Mittwoch, 26. März 2014

W399VII: Von Andorra über Frankreich zurück nach Merseburg; Der Bolzplatz im Nationalstadion in Andorra und Internationales Rugby im Katalanischen Perpignan

Catalans Dragons (Perpignan) 30:14 Huddersfield Giants
- Datum: Samstag, 22. März 2014 – Kick-Off: 18.30
- Wettbewerb: Super Rugby League (Professionelle Englische 13er-Rugby-Liga)
- Ergebnis: 30-14 nach 80 Min. (40/40) – Halbzeit: 14-0
- Tries (Versuche, d.h. 4 Punkte): Louis Anderson 2x, Zeb Taia, Morgan Escare, Elliot Whitehead (Perpignan); Scott Grix, Brett Ferres, Jodie Broughton (Huddersfield)
- Kicks (Schüsse, d.h. 2 Punkte): Thomas Bosc 5x (Perpignan); Danny Brough (Huddersfield)
- Strafen: keine
- Spielort: Stade Gilbert Brutus (Kap. 11.500, davon 9.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 7.000 (davon 6.600 zahlende und ca. 20 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Sehr gutes Spiel mit überraschendem Ausgang)

Futból Feminí Andorra 0:1 FC Encamp Feminí B
- Datum: Samstag, 22. März 2014 – Anstoß: 12.00
- Wettbewerb: Lliga Feminí Base (Fünf-gegen-Fünf Frauenliga Andorras)
- Ergebnis: 0-1 nach 45 Min. (3x15) – Drittelergebnisse: 0-0, 0-0, 0-1
- Tor: 0-1 33. Claudia Cerda Cassi
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Mini Camp Estadi Comunal [Andorra la Vella] (Kap. 2.000, davon 1.300 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 11 (mehrheitlich für Encamp)
- Unterhaltungswert: 1,5/10 (Schönes Tor aber ansonsten grauenhaftes Niveau wie nicht einmal im Saalekreis...)

Comú d’Escaldes-Engordany CF (Alevín) ............... 4
Unió Esportiva Sant Julià de Lloria (Alevín) ........... 5
- Datum: Samstag, 22. März 2014 – Anstoß: 9.30
- Wettbewerb: Lliga Aleví Primera Divisió (1. D-Junioren-Liga Andorras)
- Ergebnis: 4-5 nach 60 Min. (3x20) – Drittelergebnisse: 1-1, 2-2, 1-2
- Tore: 0-1 7. Iker Rodriguez Torra, 1-1 13. Ian Gonzalez Bumedien, 1-2 31. Marco Inacio da Silva Machado, 2-2 35. Ian Gonzalez Bumedien, 2-3 37. Adria Blat Vidal, 3-3 38. Miquel Lopez Escoriza, 4-3 41. Joan Inez Bellido (Strafstoß), 4-4 44. Marco Inacio da Silva Machado, 4-5 54. Marco Inacio da Silva Machado
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Camp Prat del Roure [Engordany] (Kap. 500, davon 100 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 30 (je ca. 15 für beide Teams)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Sehr gutes und spannendes U13-Spiel)  
Photos with English Commentary:
a) Rugby League: Catalans Dragons Perpignan v Huddersfield Giants
b) Andorran Women’s Football: FF Andorra v FC Encamp Reserves
c) Andorran Under-13 Football: Comú d‘Escaldes v Sant Julia
e) Roman Sites in France: Nimes and Orange
f) Principality of Andorra: Mountains and Churches

Der morgendliche Blick aus dem Fenster zeigte Schneetreiben und dichten Nebel in Pas de la Casa. Mit unseren Sommerreifen kamen wir aber ohne Schwierigkeiten über den leicht verschneiten 2.400m hohen Pass ins Tal nach Engordany zum D-Jugendspiel zwischen Comú d’Escaldes-Engordany CF (der Gemeindesportverein ist Tabellenführer der 1. U13-Liga gewesen) und Unió Esportiva Sant Julià de Lória. Das Kleinfeldstadion mit seinen zwei zusammengepfriemelten Tribünen ist zwischen Parkhäusern, Einkaufszentren und Bankgebäuden eingeklemmt. Wir guckten dem flotten Treiben größtenteils von der Dachterrasse des Einkaufszentrums mit Restaurants und Sporthalle, Prat del Roure, zu. Escaldes und Sant Julia lieferten ein sehr spannendes und sehr ausgeglichenes Match ab: einer ging in Führung, der andere glich stets aus. Am Ende wurde es allerdings ein sehr glückliches 4:5 für Sant Julia was einen Wechsel an der Tabellenspitze bedeutet.

Nachdem wir eine Weile auf dem öffentlichen Sportplatz zwischen Prat del Roure und Prat Gran bolzten, fuhren wir weiter zur Frauenliga im Nationalstadion. Die Frauenliga hat sieben Teams und es wird nur 5 gegen 5 gespielt. Somit wurde die Partie auf dem Nebenplatz ausgetragen: dem innerhalb des Stadions, zwischen Leichtathletik-Laufbahn und Tor des Fußballfeldes gelegenen Kunstrasen-Bolzplatz mit Handballtoren. Es wurde allerdings nach normalen Fußballregeln und nicht mit Futsal-Reglement gespielt. Wie schwach Frauenfußball in Andorra ist, war an diesem Spiel zwischen Futbol Femení Andorra la Vella (5.) und FC Encamp B (2.) gut zu messen: kein Passspiel über zwei Stationen, kein platzierter Schuss, lauter Kullerbälle, unkoordiniertes über den Ball Schlagen, Ball aus der Hand Fallen der Torhüterinnen… Die Frauen und Mädchen – teilweise spielten da schon Zehnjährige mit – konnten eigentlich durchweg überhaupt nicht Fußball spielen. Bis auf den schönen goldenen Treffer in den Winkel von Encamp II war das noch schlimmer als Frauenkreisklasse Saalekreis!  
Weiter ging es durch die beiden über sechs Euro Maut kostenden Tunnel unter den im Nebel hängenden Pässen Pas de la Casa und Puymorens hindurch. Es waren noch zwei kurze Besichtigungen, erstmal der Burgruine Carol und dann der Festungsstadt Villefranche de Confluent, drin. Wir erreichten nach einer lästigen Zollkontrolle die uns und andere minutenlang und ohne erkennbaren Sinn ausfragte zu Fahrtrichtung und Wareneinkäufen (anstatt dass die den Wagen kontrollieren, stellen die Fragen die sie nicht mal was angehen: von wegen, was man in Marokko gemacht hat), Perpignan. Die Stadt ist unglaublich dreckig – ausschließlich übrigens durch die Katalanen und Franzosen mit ihren scheiß Kötern – und überschätzt. Perpignan ist nicht mal so schön gelegen wie andere Städte in Südwest-Frankreich, hat nur eine dürftige Festung und ein paar ältere Häuser zu bieten – aber immerhin ist sie eine echte Rugby-Stadt!

Gleich am Ortseingang ist das kleinere Stadion – für 13er-Rugby bei den Dragons – in derselben Straße stadteinwärts steht ein doppelt so großes fürs 15er-Rugby. In Perpignan ist immer „Union oder League“ die Frage: wir sahen zum ersten Mal League (also mit 13 Spielern pro Team) im erstgenannten Stade Brutus, das auf drei Seiten mit Tribünen mit roten und gelben Sitzen versehen ist. Die Catalans Dragons spielen als einzige französische Mannschaft in der professionellen englischen Super-League mit. Die aus dem nördlichen Mittel-England (West Yorkshire) stammenden Huddersfield Giants waren heute zu Gast.

Bei der Farbgebung des Stadions war es schon zu befürchten: die katalonischen Separatisten spielten vor dem Kick-Off ihre live gesungene Hymne ab. Auch die Anfeuerungen waren nur z.T. auf Französisch, sonst im spanischen Dialekt Katalanisch. Ansonsten war es die größte Kulisse, die wir je bei einem Rugbyspiel gesehen haben – und um die Ecke waren fast doppelt so viele zum intelligenterweise zeitgleich ausgetragenen 15er-Rugby gekommen! Es wurde auch ab und an mit Sprechchören angefeuert und normaler Lärm wie Pfeifen und Dazwischenrufen veranstaltet.

Der Spielverlauf war wie erwartet klar, allerdings unerwarteterweise zugunsten der Heimmannschaft: die hatte fünf Niederlagen und 0 Punkte, Huddersfield drei Siege und zwei Niederlagen. Von Anfang an spielte aber Perpignan konzentrierter, absolut sicher in den Pässen und aggressiver aufs Malfeld zu. Drei Versuche konnten sie so legen. Der Vorsprung von 14:0 bei Pause war noch einzuholen, doch nur wenige Minuten nach Wiederbeginn schafften die Katalanen einen tollen Sprint für den vierten Try. Erst in der Schlussphase konnten auch die Engländer Punkte machen: mehr als drei Versuche und eine Erhöhung (Conversion) waren aber nicht drin, sodass es am Ende 30:14 hieß.
Das Spiel war durch die Regelabwandlungen schneller als 15er-Rugby, eine sinnlose Regelabänderung ist allerdings die Punktezählung 4, 2, 1 (statt 5, 3, 2).

Nach kurzem Essen bei Meckens ging es zum F1, wo zwei Streifenwagen vor der Tür standen. Ein besoffener Gast hatte randaliert – den Rest der Nacht blieb es allerdings ruhig…  
Sonntag gab mal keinen Sport: das Programm war stark ausgedünnt, da die Kommunalwahlen anstanden und gerade in Südfrankreich brauchten die Deppen Zeit um die scheiß Front National mit bis zu 45% zu unterstützen. An der Rechtsextremenhochburg Nr. 1, Béziers, fuhren wir aber nur vorbei. Wir hatten auf Sport auch v.a. wegen der Besichtigung des Amphitheaters von Nimes und des römischen Theaters von Orange verzichtete. Das endlos gehypte Nimes war eher enttäuschend, da die Veranstaltungsarena (für Stierkämpfe, Musikfestivals und Theater genutzt) innen sehr überformt ist von neueren und älteren Holzbänken und Gerüsten – und diesen unsachgemäß restaurierten Bau kann man nur für Wucherpreise von 9€ besichtigen. Auch in Orange wurden Wucherpreise (9,50€) verlangt, aber man bekommt dafür wenigstens ein Theater mit ungewöhnlicher Fassade, spektakulären Stufen die halbwegs originalgetreu aufgemauert wurden und ein gut sortiertes Museum zu römischer und späterer regionaler Kunst zu sehen. Die Altstadt von Orange ist auch nicht so uninteressant, da dort auch noch ein römischer Triumphbogen in einem Kreisverkehr steht.

Wir machten uns auf die Piste nach Besancon. An der Raststätte wie üblich nur dreckige Hocktoiletten – selbst in Marokko gibt es das nur noch selten an den alten und schlechten Rasthöfen – und in Besancon fanden wir nur eine geöffnete Tankstelle – völlig versifft und es funktionierte nur eine Zapfsäule. Im F1 waren die Klos teils zugeschissen, Handtücher gab es keine – drumherum standen abgewohnte Häuser und kiffende Jugendliche. Wo wir waren da gelandet? Natürlich in Frankreich! Denn die großkotzige Grand Nation ist bei Weitem nicht nur protziger Barock und edle Küche…  
Am nächsten Tag hatten wir uns auch ein kleines Besichtigungsprogramm zusammengestellt: mit Staufen hatten wir natürlich gleich das beste Negativbeispiel für eine deutsche Stadt herausgesucht; durch Pfusch beim Bau einer Erdwärmeanlage ist die Altstadt einsturzgefährdet – so was kann doch nur in Deutschland (speziell in Baden-Württemberg) oder der Schweiz passieren! Zu viel Seitenbacher Körnerfraß schadet wohl doch dem Gehirn…

Kurzfristig entschieden wir uns um und legten die Route statt durch den verschneiten Schwarzwald über Freiburg (wir besichtigten das sehenswerte Münster, ansonsten ist die Altstadt leider uninteressant, und gingen gut chinesisch Essen) und das nördlich davon gelegene ländliche Gebiet Freiamt. Dort gibt es eine sehr schöne Burgruine, die Hochburg, die frei zugänglich auf einem der charakteristischen und teils mit Weinstöcken bewirtschafteten Hügel liegt; eine frühgotische Kapelle als Rest des Klosters in Tennenbach; eine schöne, authentische Burgruine in Landeck im selben Baustil wie die Hochburg; und die Kleinstadt Emmendingen wo wir die barocke Altstadt anguckten – die ist klein, nicht herausragend, aber ganz lohnend.

Es folgte das übliche Verkehrschaos im Raum Karlsruhe, von da an ging es zügig mit Zwischenhalt an einem Autohof für Burgerking – sonst kann man ja nicht zu bezahlbaren Preisen an Autobahnen essen – nach Merseburg zurück, wo wir 0.15 Uhr ankamen.  
Statistik:
- Grounds: 1.091 (Samstag: 3; diese Saison: 120 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.007 (Samstag: 3; diese Saison: 151)
- Tageskilometer: 1.880 (Samstag: 230km Auto, Sonntag: 760km Auto, Montag: 890km Auto)
- Saisonkilometer: 51.040 (49.870 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 5 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 399

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